Neulich im Supermarkt oder: Der subjektive Quantensprung
20. Juli 2009
September 25, 2008
Nein, bei mir ist es anders. War es schon immer. Leider war das aber nicht immer ein gutes Zeichen, dass bei mir die Dinge anders laufen als bei anderen Frauen. So zu Beispiel die Sache mit dem Quantensprung. Woran merken meine Geschlechtsgenossinen, dass wieder irgendein Paradigmenwechsel im Raum-Zeit-Kontinuum stattgefunden hat? Entweder weist sie ihr schwuler Friseur, nennen wir ihn Paul, darauf hin. Etwa in dem Tenor: „Liebelein, Du weißt aber schon, dass schokobraun das neue blauschwarz ist gell? Und wenn ich Dir die neue Anti-Aging-Haarkur ausgespült habe, dann machen wir noch was mit Deinem Make-Up, ja? Weil: Pure-Look war gestern, heute ist Diva!“
Das passiert mir jetzt eher selten. Erstens ist mein Friseur weder ein Paul noch schwul. Er ist seit zehn Jahren verheiratet und hat dementprechend einen guten Instinkt für Tarnkappenzicken wie ich es eine bin und hütet sich ergo, sich durch noch so subtile Kritik irgendwelchen Kauleistensanierungsmaßnahmen auszusetzen- die meisten zahnärztlichen Leistungen überschreiten ganz einfach die Verdienstmöglicheiten von angestellten Friseumeistern. Mein Paul heißt Günther, und nachdem ich ihm weiland unter bedrohlichem Augenbrauenhochgeziehe vermittelt hatte, dass ich erstens überzeugte Kunstblondine und zweitens gar nicht scharf auf seinen (Schmink!!-)Pinsel in meinem Gesicht sei, sind wir die besten Freunde. Natürlich hält er mich über die neuesten Trends auf dem Laufenden, natürlich nicht, ohne mir am Ende dieser „Pinkfarbenes Lipgloss kann natürlich nicht jede tragen aber diesen Sommer ist das echt DER Renner, gerade zu lichtblonden Extensions”-Monologe (hier erfolgt dann meist ein bedauernder Blick auf meinen kurz geschorenen Blondschopf Marke Eigenbau, den ich etwa alle vier Monate zwecks Korrektur diverser Scherenentgleisungen meinerseits in Günthers vertrauenswürdige Hände gebe) zu versichern „ Aber Du hast ja sowieso Deinen ganz individuellen Stil, da brauchst Du Dir keine Gedanken drüber zu machen“ Ich knurre dann meistens nur unterdrückt, bin ich mir ja durchaus bewusst, dass eine solche Äußerung gar nicht so sehr auf meinen treffsicheren Geschmack abzielt sondern eher auf meine fast schon faschistische Neigung, immer genau ENTGEGEN den neuestens Trends herum zu laufen. Das ist aber wirklich eher Zufall und ich frage mich mittlerweile, ob sich da mein RAF-Alter- Ego aus dem Unterbewusstsein an die Oberfläche pellt- und wie lange es dauern wird, bis ich die einschlägigen Mittelchen gegen derlei Schizophrenie verschrieben oder einen längeren stationären Aufenthalt empfohlen bekomme. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich erkenne also nicht am Vorbeischreiten sämtlicher Couture-Trends, dass sich die Zeiten ändern. Auch in anderen Lebensbereichen leiste ich mir eine derart ausgeprägte Ignoranz, dass ich die klitzekleinen Schritte bis hin zur großen Innovation, die das allgemeine Alltagsleben so schnell und vergänglich machen gar nicht mit bekomme, ich mich noch in steinzeitlicher Unverdorbenheit aale und urplötzlich kommt der Quantensprung in Form der Erkenntnis, dass es Instant-Couscous gibt. Kein Vorwaschen, Nachgaren und Wiedererwärmen. NEIN! Krümmel in ne Schüssel, heißes Wasser drüber und fertisch! Mir als notorischem Zeitjäger kommen derlei fleißige Hausarbeitserleichterungen dann immer wie ein Durchbruch in der Entwicklung der Menschheitsgeschichte vor: Weg vom entnervten stundenlangen Rumgekoche für ein Date an dessen Ende dann hoffentlich wenigstens der Kaffe gut war, hin zum entspannten Instant-Exotic-Menü, dass den Lover zu Liebestantra-Marathonleistungen anspornt, ohne dass es mich in der Vorbereitung mehr als ein müdes Arschrunzeln gekostet hätte. Passiert mir also solch eine den Weltfrieden in erreichbare Nähe bringende Entdeckung, kann ich mich meinem Temperament geschuldet dann auch kaum lassen vor Freude, hüpfe begeistert vor dem Supermarktregal auf und ab- in der Hand je eine Tüte Instant-Couscous und Instant-Mousse-au-Chocolat- und werde glatt von sonem Pseudo-Gourmetschnösel darauf hin gewiesen, dass das zwar ne enorme Arbeitserleichterung, geschmacklich und esskulturtechnisch aber voll daneben sei. Und bevor ich ihn dann darauf hinweisen kann, dass das Ziel meiner seltenen abendlichen Kochexerzitien keineswegs ein wohlig-satter Mann, sondern ein gnadenlos langer und schmutziger F*** ist (- und sollte das umgekehrt gelten, dann sind die zu Bewirtenden sich auch sicher, dass ich alles im Schweiße meines Angesichts selbst gejagt, gepflückt, gehackt, gerieben, mariniert, püriert, verziert und auf dem Tisch arrangiert habe, weil sie es mir Wert sind- was man bei einem potentiellen Liebhaber in den seltensten Fällen schon beim ersten gemeinsamen Abendessen in heimeliger Zweisamkeit weiß), zieht dieser Alles-Kochschlampen-ausser-Mutti-Klugscheißer auch schon in Richtung Feinkostabteilung ab, um sich Flusskrebsfleisch für seine Consommé zu besorgen- AUS DER DOSE!!!!! Und wenn mir nicht so ein kleingeistiger Dickbauch die Freude an meinem privaten 1492 versaut, dann ist es garantiert so ein hochbegabter Erbgutträger mit Nickelbrille und Schlaghosen ( ich mein, wie viel Seventies-Style können die Post-Yuppie-Style-Modekrücken unserer Generation denn wirklich tragen, ohne auszusehen wie Goofy auf Extasy, hä? Wo sind denn die Koteletten, die bis zum Kinngrübchen wachsen, wo die Haare auf der Brust und wo die steroidmäßigen Hulkoberschenkel, die derlei Bekleidung einfach erfordert, um nicht sofort Brechreiz auszulösen???). Der guckt mich dann mitleidig an, bzw. in 90% der Fälle aufgrund meines beachtlichen Stockmaßes an mir hoch und weist mich freundlich-intellektuell zwinkernd darauf hin, dass es das aber schon mal mindestens seit 10 Jahren gibt- und ich sollte unbedingt die Instant-Tandoori-Chicken-Chutney-Haumichblau-paste dazu servieren. Ja gut, okay, vielleicht hat er ne kluge Mutti und sich Tips von der geholt. Dann ist er erstens lernfähig und zweitens Träger des Mutti-Söhnchenabzeichens. Oder er hat ne küchentechnisch versierte Freundin und mich demzufolge weder freundlich anzulächeln, noch sich bei dieser Gelegenheit mit meinen Zwillingen zu unterhalten, der olle Lustmolch.
Oder er ist selber durch Sachzwänge in Form von Kindern küchenversiert geworden, die er als allein erziehender Emanzipationsfetischist in die entsprechenden Erfahrungswerte umgemünzt und die unschuldigen Hascherln zu Versuchskaninchen seiner „Papa-kocht-euch-was-Monstershow“ gemacht hat- und damit per se uninteressant.
Der steht also vor mir, versaut mir die Lust am Objekt. Folge: Unbotmäßiger Zorn der sich darin äußert, dass ich mich zu voller Körperlänge aufbaue, den Quantensprung Quantensprung sein lasse, den Couscous zurück ins Regal schmettere und laut vernehmlich darauf hinweise, dass es nix, aber auch gar nix Besseres als das hand gemörsterte Couscous meiner ( nicht vorhandenen, aber wen kümmerts?) arabischen Schwiegermutter gebe, zur Kasse stiefle- und beim Verlassen des Supermarkts schon mal vom Mobile aus Tom, Dieter oder Harry anrufe und mitteile, dass wir heute Abend dann doch gerne zum Italiener essen gehen könnten.
Ich bin dann immer noch meilenweit von gutem Sex entfernt, mich trennen Lichtjahre vom Weltfrieden und ne Pizza Veggetaria alla Antonio ist ungefähr so weit von nem Quantensprung entfernt wie ich davon, den Pulitzer-Preis mit meinen Lästereien zu gewinnen. Was aber die innere Teilchenphysik betrifft: Die stimmt wieder, nachdem ich meine Duftmarke gesetzt habe.
In diesem Sinne: Man muß keinen Instant-Couscous haben, um glücklich zu sein- es reicht schon wenn man weiß, dass es möglich ist*zwinker*
In diesem Sinne: O quae mutatio rerum
Eure Glitzerdrachin
Tag eins
17. Juli 2008
…meiner hoffentlich fabulösen und erfolgreichen Selbsterfahrung als Bloggerin im WWW.
Noch ist das Dings hier „under construction“ und so, wie ich mich kenne, wird das auch noch eine Weile so sein. Macht aber nix, denn der geneigte Blog-Konsument wird schnell vergessen, wie langweilig es hier im Augenblick noch ausschaut und sicher bald aus Versehen wieder hier landen.
Aussage des Tages von glitzerdrachen: ardua prima via est
In diesem Sinne-Eure Drachin! ;O)
